Tagblatt 12. Dezember 2015

 

«Trainingspause war zu lang»

 

Mit skeptischem Blick verfolgt Dani Eggenberger den eiernden Eisstock, der sich schliesslich überschlägt und die nächste Kerbe ins Eis schlägt. Ich erwarte einen leisen Fluch, doch stoisch erträgt der Eismeister, wie seine Unterlage malträtiert wird.

Für die meisten das erste Mal

Schnell wird mir klar, dass die wenigsten der rund 70 anwesenden Mitglieder der Gewerbevereine Amriswil und Romanshorn das Eisstockschiessen bisher ausprobiert haben.

Als Urs Krattiger an der Reihe ist, denke ich jedoch, dass da eine gewisse Erfahrung vorhanden sein muss. Und tatsächlich: «Vor zwei Jahren habe ich hier auf dem Marktplatz schon einmal gespielt. Aber die Trainingspause dazwischen war nun einfach zu lang», lacht Krattiger.

(Un)gewohnte Unterlage

Auch Robert Brühlmann aus Romanshorn nimmt es sportlich, dass er am Ende nicht auf dem Podest landet: «Eigentlich bin ich es ja gewohnt, auf dem Wasser zu sein – einfach nicht auf gefrorenem.»

Es ist ziemlich kalt an diesem Mittwochabend. Mein Kugelschreiber friert immer wieder ein. Der Bleistift von Organisator und GVA-Präsident Christoph Roth ist da kälteresistenter. Roth notiert auf seiner Liste die 19 Zentimeter Distanz, die Vorstandskollege René Schoop soeben bei Renate Kennel gemessen hat. Es sollte diesen Abend die Bestmarke bleiben.

Gewinnerin erhält einen Korb

Während die designierte Gewinnerin – sie wird einen Korb voller hausgemachter Nudeln nach Hause nehmen – und viele andere Gewerbler ins warme Restaurant geflüchtet sind, harren Michel Raymann, Judith und Andreas Goldinger noch auf dem Eis aus. Vielleicht üben sie schon für das zweite Aufeinandertreffen der beiden Vereine.


Tagblatt 31. Oktober 2015

 

Handwerk wäre eine Alternative

 

AMRISWIL. Um auch gute Sekundarschüler für eine Lehre statt weiterführende Schule gewinnen zu können, führt das Amriswiler Gewerbe zum zweitenmal eine Handwerkerwoche durch. Jugendliche wie Betriebe sind zufrieden.

RITA KOHN

  

Yannick Loretan setzt Stein auf Stein, verstreicht Mörtel und kontrolliert, ob alles gerade ist. Eigentlich möchte eine KV-Ausbildung machen. Jetzt ist der Sekundarschüler aber nicht mehr ganz sicher. «Das Handwerk wäre eine Alternative für mich», sagt er. Drei Tage in einem Sanitärbetrieb, zwei als Maurer auf der Baustelle haben sein Interesse an einem etwas handfesteren Beruf geweckt.

Noch weiss Yannick Loretan nicht, wofür er sich letztlich entscheiden wird. Das hängt auch davon ab, wo er eine Lehrstelle findet. Die Möglichkeit, in einen Handwerksberuf hineinzusehen und zu erfahren, welche Aufstiegschancen es im Betrieb gibt, haben ihm ein breiteres Feld eröffnet. «Ich hatte bisher keine Ahnung, was man auf dem Bau macht», bekennt er. Was er bis jetzt gesehen und gehört hat, fasziniert ihn. Er werde von allen gut betreut und informiert, sagt er, greift nach einem weiteren Backstein und der Kelle.

Der Nachwuchs fehlt

Vielen Handwerksbetrieben geht der Nachwuchs aus. Vor allem junge Menschen, die später eine Führungsverantwortung übernehmen könnten, zieht es immer seltener in eine Berufslehre im handwerklichen Bereich. «Wer ein guter Vorgesetzter werden will, sollte aber von Grund auf wissen, was an der Basis passiert», sagt Roger Lüthi, Polier der Stutz AG und an diesen zwei Tagen für den Sekundarschüler Yannick Loretan zuständig. Er schätze deshalb die Aktion des Amriswiler Gewerbes.

Auf keinen Fall Schule

Dasselbe sagt Malermeister René Schoop, der gerade der Sekundarschülerin Angela Manser den Beruf eines Malers näherbringt. Er begrüsst die Aktion und nimmt sich gerne die Zeit, um die interessierten Jugendlichen zu begleiten. In Angela Manser wird er allerdings keine begeisterte Nachwuchsmalerin finden. «Mir hat das Schnuppern als Floristin besser gefallen», gibt die bald 14jährige Schülerin unumwunden zu. Sie könnte sich auch vorstellen, Konditorin zu werden. «Aber auf keinen Fall möchte ich die Kanti machen», sagt sie bestimmt. Sie habe bei der Schwester gesehen, wie viel diese für die Kanti lernen musste. «Das will ich nicht. Ich will eine Berufslehre machen.» Diese Aktion nun habe ihr die Möglichkeit geboten, sich vertieft mit der Frage zu beschäftigen, welcher Beruf es werden soll.

Amriswil Aktuell 23. Oktober 2015


Tagblatt 13. Mai 2015